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15. November 2010

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Greogor Boos

 

Offenes Bücherregal

 

Es gibt sie in vielen Orten in Nah und Fern in den unterschiedlichsten Lokalitäten, in ausrangierten Telefonzellen, Stromverteilern, zugemauerten Fensternischen oder ehemaligen Verkaufswagen: die sogenannten "offenen Bücherregale". Ein solches Exemplar findet man nun auch in Gau-Odernheim und zwar in der Eingangshalle der Likörmanufaktur Deheck in der Mainzer Straße. Schon seit einigen Jahren wurde im örtlichen Geschichtsverein immer wieder angerissen, dass es vor Ort keine öffentliche Bücherei mehr gibt. In vielen Haushalten stapeln sich jedoch - auch bei der jüngeren Generation - Bücher nach einmaligem Lesen. Diese sind zwar noch gut erhalten, ein Handel auf Flohmärkten oder im Internet stellt sich aber oft als zeitraubend und wenig lukrativ dar. In einem "offenen Bücherregal" kann nun jeder nach Herzenslust stöbern, Bücher mitnehmen und/oder eigene Bücher einstellen, alles auf freiwilliger Basis und kostenlos. Familie Deheck war von dieser Idee sehr angetan und stellte spontan den Windfang ihres Eingangsbereiches zur Verfügung.

Offenes Bücherregal, bitte füllen

Der Geschichtsverein installierte ein historisches Bücherregal und sorgte für eine Erstausstattung, die alle Generationen anspricht. Hier kann nun montags bis samstags zu den regulären Geschäftszeiten nach Herzenslust im Bücherregal gestöbert, geliehen und getauscht werden. Der Geschichtsverein bedankt sich bei Familie Deheck herzlich für die Unterstützung und freut sich über regen Zuspruch dieser kulturellen Bereicherung des Ortslebens.

 

Rückblick und Vorschau


Eine umfangreiche Tagesordnung galt es bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung des Geschichtsvereins zu bewältigen, zu der der 1.Vorsitzende Dr.Arnsperger zahlreiche Mitglieder in der Weinstube Boos begrüßen konnte. Zunächst ließ Thomas Ehlenberger das vergangene Vereinsjahr in Form eines Lichtbildervortrags Revue passieren. Neben historischen Vorträgen als Abendveranstaltung oder zu den Seniorennachmittagen der Ortsgemeinde gesellten sich Orts- und Mittelalterführungen, Exkursionen sowie die beliebten "Kunst und Krempel"-Stammtische. Alle 2 Monate wurde zudem das Museumsschaufenster auf dem Untermarkt mit einem neuen Thema bestückt und Vorführungen für Kindergärten und Schulen durchgeführt. Der hohe Einsatz der Dekorationsgruppe erntete neben Dankesworten auch entsprechenden Applaus. Die Vielzahl und auch Qualität aller Veranstaltungen konnte nur durch ein engagiertes und kooperatives Team sichergestellt werden. Leider musste der Verein im vergangenen Jahr Abschied von einem seiner Gründungsmitglieder nehmen, dem plötzlich verstorbenen Ortsbürgermeister Bernd Westphal, dessen Unterstützung der Aktivitäten des Geschichtsvereins nach einer Schweigeminute gedacht wurde. Turnusgemäß fanden nach der Entlastung von Kassenwart und Vorstand wieder Neuwahlen statt. Aus beruflichen und terminlichen Gründen stellte Dr. Arnsperger sein Amt als 1.Vorsitzender zur Verfügung. Aus den folgenden Wahlen ging mit einstimmigen Ergebnissen der folgende neue Vorstand hervor: 1. Vorsitzender Thomas Ehlenberger, 2.Vorsitzender Dr. Konrad Arnsperger, Kassenwart Kornelia Hinz, Schriftführer Manfred Hartmann, Beisitzer Hans-Dietrich Legler, Andreas Lorenz, Jutta Schneider. Thomas Ehlenberger bedankte sich bei Dr. Arnsperger für die geleistete Arbeit der vergangenen Jahre und freute sich auf eine weiterhin enge Kooperation anlässlich der zahlreichen anstehenden Projekte. Neben weiteren Ausstellungen im Museumsschaufenster wird besonders die Archivforschung auf eine breitere Basis gestellt und intensiviert, wofür weitere Mitstreiter willkommen sind.

 

 

Heimatfront in Rheinhessen

 

Der Ausbruch des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren und die direkten Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung waren Thema des aktuellen Frühjahrsvortrags des Geschichtsvereins. Einleitend erschien Thomas Ehlenberger in der Rolle des Leutnants Johann Weber vom Infanterieregiment 117 aus Mainz im "bunten Rock" und berichtete über die Organisation des 40.Gau-Turnfests am 27-29.06.1914 in Gau-Odernheim. Anhand von Fotos und einer Festschrift konnte ein lebendiges Bild des Großereignisses erstellt werden, wobei die militärischen Aspekte der Turnveranstaltung (Militärkapellen, Militärturnen, Organisation etc.) deutlich aufgezeigt wurden. Während des Turnfestes ereignete sich am 28.06.1914 das Attentat von Sarajevo, welches schließlich den 1.Weltkrieg auslöste. Nun stellte Prof. Dr. Kißener von der Uni Mainz die vielfältigen Auswirkungen auf unsere Region dar. Aufgrund der geographischen Nähe zur Westfront gab es hier verstärkt Einquartierungen von Truppenteilen auf dem Durchmarsch. In vielen Orten wurden Kriegsgefangenenlager eingerichtet, deren Insassen in Industrie und Landwirtschaft arbeiten mussten. Hier konnte an zahlreichen Beispielen von sehr humanem Umgang mit den Gefangenen berichtet werden, im Gegensatz zum 2. Weltkrieg. Auf das Lazarettwesen wurde in Wort und Bild detailliert eingegangen, ebenso wie auf die ersten Bombenangriffe, die alliierte Flugzeuge bis in die Mainzer Region trugen. Die weiteren Auswirkungen des Krieges auf Gau-Odernheim sind anhand des Gefallenendenkmals auf dem Friedhof bis heute ersichtlich. Anhand eines Fotos der 21 Gau-Odernheimer Turner von 1914, die alle eingezogen wurden, konnte das Schicksal von 7 jungen Männern aufgezeigt werden, die nicht mehr nach Hause zurückkehrten. Im Anschluss wurde bei einem Gläschen Wein noch ausgiebig über dieses bewegende Thema diskutiert.

 

"Vor 100 Jahren..."

 

... stand Gau-Odernheim im Zeichen des 40.Gauturnfests vom 27.-29.06.1914. Anlässlich dieses Jubiläums präsentiert sich das aktuelle Museumsschaufenster am Untermarkt ganz im Zeichen des Turnens. Neben einem Turnpferd sind mehrere Figuren in historischer Turnkleidung zu bewundern, ergänzt von Turngeräten unterschiedlicher Art und verschiedensten alten Urkunden und Plakaten. Die meisten der beteiligten Turner fanden sich wenige Wochen später nach dem Ausbruch des 1.Weltkriegs in einem Schützengraben wieder, viele kehrten nicht mehr zurück. Eine umfangreiche Dokumentation und Beschilderung rundet die Ausstellung ab und lädt zum Studieren der Exponate ein. Wie gewohnt sind auch wieder Vorführungen für Kindergärten und Schulen nach Terminabsprache mit Thomas Ehlenberger unter (06733 1079) möglich.

 

Von Märklin bis Stradivari…

 

… spannte sich der Bogen bei den Exponaten der jüngsten Veranstaltung „Kunst und Krempel“ des Geschichtsvereins. In der fast bis auf den letzten Platz gefüllten Weinstube Boos konnte Thomas Ehlenberger Gut besuchteinige interessante Fundstücke aus Keller und Speicher präsentieren. Neben Bildern und Dokumenten zum Gau-Odernheimer Gau-Turnfest von 1914 gab es verschiedene Brettspiele aus der Zeit um 1900 zu bestaunen. Großes Interesse galt den von einheimischen und auswärtigen Gästen mitgebrachten Fundstücken, die teilweise auch genau bewertet "Fundsachen"werden konnten, wie z. B. eine Märklin-Lokomotive von 1949. Ungläubiges Staunen erweckte ein Gast mit einer Geige, die auf einem Zettel im Inneren den Namen Antonio Stradivari offenbarte. Während im Publikum schon von Millionenbeträgen die Rede war, konnte anhand von Fotos, Detailinformationen und einem Vergleichsmodell aus einheimischer Produktion sich schnell wieder Ernüchterung ausbreiten. Auch weniger Wertvolles, jedoch recht Kurioses wurde durch die Reihen gereicht, wie etwa eine Hühnerbrille oder ein Gaucho-Trinkgefäß aus Argentinien mit Sieb-Sauglöffel. Aufgrund der Fülle der mitgebrachten Exponate müssen Einige auf ihre Präsentation bei der nächsten Veranstaltung im November warten. Bei dem einen oder anderen Gläschen Wein wurde noch bis tief in die Nacht „gefachsimpelt“.

 

 

 

Gau-Odernheim, Wappen aus dem 17. Jahrhundert

Geschichtsverein Gau-Odernheim