Geschichtsverein Gau-Odernheim

  • Veranstaltungen

Geschichtsverein on Tour - Jahresfahrt 2018

Lorsch und das Kloster - Was ist da interessant ?

...eine Frage, die man sich durchaus stellen kann. Ist doch - und davon haben sich die Teilnehmer der diesjährigen Exkursion des GV überzeugt - vordergründig nicht mehr viel zu sehen vom alten Reichskloster Lorsch, das von der Zeit der Karolinger bis ins hohe Mittelalter so bedeutend war. Sicher, die weltberühmte Torhalle, ein Kirchenrest und die Mauer, die einst alles umgab, aber es gibt frühmittelalterliche Klostergründungen, von denen noch mehr zu sehen ist.

Langweilig also ? Wer dabei war am 8.April, der weiß es besser. Nicht ohne Grund ist das Kloster Lorsch "Weltkulturerbe". Gegründet 764 als Eigenkloster eines fränkischen Grafengeschlechts, bereits kurz darauf in den Stand eines "Reichsklosters" erhoben und damit den Königen und Kaisern des Mittelalters direkt unterstellt, war Lorsch wirschaftliches und politisches Zentrum mit Grundbesitz vom heutigen Holland bis in die Schweiz. Und gerade dieser Grundbesitz ist dafür verantwortlich, dass der Name Lorsch in vielen Ortschroniken im Westen und Südwesten Deutschlands auftaucht. War der doch meist geschenkt oder erworben und beides, Schenkung oder Erwerb, wurde beurkundet. Unbekannten Lorscher Mönchen ist es zu danken, dass diese Beurkundungen um 1195 in ein Kopilabuch übertragen wurden, das sich durch glücklichen Zufall bis heute erhalten hat. Der Codex Laurshamensis oder auf deutsch: Der Lorscher Codex. Über 1000 Orte führen auf eine Nennung darin ihre erste urkundliche Erwähnung zurück. In unserer Nähe beispielhaft zu nennen sind Bechtolsheim (767), Albig (767) oder Framersheim (769). Gau-Odernheim selbst fand, auch als Odernheim ohne Gau, keine Erwähnung im Lorscher Codes - war doch Odernheim zur Zeit der Blüte des Lorscher Klosters im Besitz des Metzer Stifts und selbst im Besitz von Reliquien eines Heiligem, dem heiligen Rufus, so dass hierorts kein Gläubiger auf die Fürsprache des in Lorsch ruhenden Heiligen Nazarius angewiesen war. Wohl ist aber Gommersheim, der untergegangene Ort zwischen Odernheim Und Bechtolsheim, mit einer Schenkung aus dem Jahre 771 im Codex erwähnt. Das und noch einiges mehr zu  Bedeutung und Geschichte von Lorsch konnten die Teilnehmer der Fahrt am Freitag zuvor auf einem vorbereitenden Infoabend hören.

Vor Ort wurden dann im Rahmen einer Führung Tor- bzw. Königshalle besichtigt und in der Zehntscheune einiges zu den archäologischen Artefakten gehört, die dort ausgestellt sind. Nach einer ausgiebigen Mittagspause führte der Weg dann zu einer Führung durch das Freilichtlabor Lauresham.

Dort wurden und werden die Lebensbedingungen auf einem fränkischen Hofgut zur Zeit der Klostergründung wissenschaftlich fundiert nachgelebt. Wohn- und Wirtschaftsgebäude sind in Aussehen mit zeitgenössichem Werkzeug so errichtet worden, wie das aus archäologischen Befunden zu ermitteln war.

Dazu allerlei Handwerk von der Schmiede bis zum Webstuhl, die "Wohnzimmer" von Herr und Gesinde, die Kapelle - all das gab einen lebendigen Eindruck von den Verhältnissen im "Lauresham" des achten Jahrhunderts. Einen ereignisreichen Tag abgerundet hat dann noch ein kurzer Halt  auf dem Vereinsgelände der "Lorscher Klosterspatzen", wo bei einem Kaffee oder einem anderen Getränk Gelegenheit war, den Tag Revue passieren zu lassen.

Lorsch - Laurissa -Lauresham. Auch wenn die Jahrhunderte uns nur Fragmente liesen - ein Besuch dort macht die einstige Bedeutung des Klosters erfahrbar. 

 

 

 

 

 

Ur-Rhein und Effenkranz - ein Besuch in Eppelsheim 2018

14 Gau-Odernheimer zogen aus zu einem Besuch in der Nachbarschaft. Nach Eppelsheim ging es am vergangenen Mittwoch, wo uns im Dinotheriummuseum Frau Nicole Zimmer einiges zu berichten wusste, z.B. vom Ur-Rhein, der vor 10 Millionen Jahren quasi durch Eppelsheim floss und vom Schreckenstier Deinotherium giganteum, dessen Schädel 1835 bei Eppelsheim gefunden wurde. Der Riesenschädel ist heute noch im Dinotherium-Museum zu bewundern, zumindest als Abguss des Originals, das heute im Natural History Museum in London liegt. Von Bärenhunden war zu hören, von dreihufigen Urpferden und allerlei mehr zur Fauna am Ur-Rhein vor 10 Millionen Jahren. Kurios: das Fossil einer bis dahin unbekannten Spitzmausart, die nach dem Eppelsheimer Altbürgermeister Heiner Roos als Plesiosorex rossi benannt wurden.

Den Anschluss bildete ein Besuch in der evangelischen Kirche und ein Gang über den Effenkranz, geführt und begleitet von der Ortsbürgermeisterin Frau Ute Klenk-Kaufmann. Der Effenkranz, ein circa 1,3 km langer Rundweg um den alten Ortskern, ist ursprünglich das Relikt der alten Ortsbefetigung. Statt einer Mauer hatten im Mittelalter viele Orte eine "einfachere" Befestigung bestehend aus einer undurchdringlichen Hecke, dem "Gebück" und einem Graben. Entlang dieser Linie entstand später in vielen rheinhessichen Orten ein "Effenkranz", ein mit Ulmen bestandener Weg am alten Graben entlang. Spätestens nachdem die Ulmen- oder Effen- in den 70er und 80 er Jahren des 20.Jhdts. vielfach an einer Krankheit eingingen verschwanden vielerorts die durchgehenden "Effenkränze" so z.B: in Wörrstadt und Schornsheim. Einzig in Eppelsheim blieb er durchgehend erhalten und wurde mit jungen Bäumen neu bepflanzt. Ein sehenswertes Naturdenkmal mit Geschichte.

Zum Abschluss ging's dann noch in's Scheunencafe. Eine mit Fördermitteln und viel Eigeninitiative zum Cafe ausgebaute Scheune - der Name sagt es. Betrieben wird es von der Gemeinde und den in einem Vereinsring zusammengeschlossenen Vereinen. Ein Kommunikationszentrum und Dorfmittelpunkt im Ort entstanden aus gemeinsamem Willen. Als Gau-Odernheimer kann man da nur neidisch werden....

Rheinhessen - so Ute Klenk-Kaufmann - seien ungenießbar wenn sie Hunger oder Durst hätten. Sie habe deshalb vorgesorgt - und wirklich keiner musste hungrig oder durstig den Heimweg antreten. Wohl aber gut gelaunt und um einige Eindrücke reicher.

Der Geschichtsverein Gau-Odernheim bedankt sich auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich bei Bürgermeisterin Ute Klenk-Kaufmann und der ersten Beigeordneten Nicole Zimmer!